Historie des Friseurberufs
Die Geschichte des Friseurwesens ist auch zugleich jene verschiedener anderer Berufe. So
waren Friseure ursprünglich Bader, wurden später zu Barbieren, ehe sie als Friseure und Perückenmacher ihrem
heutigen Kerngeschäft nachgingen. Den "Badern" oblag vom Mittelalter an nicht nur die Aufgabe, Haare zu schneiden.
Sie zeigten sich auch für nahezu alle anderen Belange der Körperpflege zuständig. Doch auch eine (höchst
archetypische) medizinische Behandlung wurde von ihnen ausgeübt. So fungierten sie als Chirurgen und Zahnreißer. In
Zeiten von Aderlass und “löblichem“ Eiter war dieses Multitasking aber offensichtlich noch zu tragen. Der Bader war
also der Mann für alles, wenn es um Körperpflege und Gesundheit ging. Dieser galt als handwerklich und wissentlich
bewandert genug, um Zahnziehen, Schröpfen, Aderlass und Verbände, Behandlung eingewachsener Nägel und Hühneraugen
vorzunehmen. Häufig verkauften Bader auch Seifen, Öle, Parfüms und sie wussten schon Arten von Dauer- und
Wasserwellen zu drehen.
Ab dem 14. Jahrhundert bildeten die Bader (von denen in der Tat die meisten eine Badestube
betrieben) eine Zunft. Somit wurden sie auch zu den ersten organisierten "Chirurgen". Noch lange Zeit blieb ihnen
ihr breites Betätigungsfeld erhalten. Im Laufe der Zeit kamen die Bader dabei zu einem geschätzten Ansehen –
verbürgten sie sich doch für Sauberkeit und Gesundheit ihrer Kunden. Im Spätbarock zur von Zeit Ludwig XIV waren
sie gar berechtigt, einen Degen zu tragen!
Im Laufe der Zeit entstanden aus den beiden Archetypen – Bader und Barbier – neue Berufe.
So wurden aus den Badern die heilenden Berufsgruppen. Aus den Barbieren wurden Perückenmacher und Friseure.
Insbesondere durch die Fortschritte im Bereich der Medizin entwickelten sich die chirurgischen und zahnärztlichen
Ärzteschaften fortan autonom. Endgültig bildete sich der Berufsstand des Friseurs im 19. Jahrhundert. Allerdings
gab es noch keine eigenen Salons, sondern der Friseur machte Hausbesuche. Als Berufsorganisation entstanden
Innungen. Auf das 19. Jahrhundert gehen auch erste wichtige Entdeckungen im Bereich des Friseurwesens zurück. So
entdeckte man um 1870 das Wasserstoffperoxid als Mittel zur Bleichung der Haare. Kurz danach wurden die Ondulation
und zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Dauerwelle nach heutigem Vorbild entdeckt.
Der Friseurberuf wurde zur Zeit des Ersten Weltkrieges auch für Frauen zugänglich. 1950 kam
die erste Cremehaarfarbe in Tuben in den Handel, wodurch der Farbmarkt revolutioniert wurde. Gegen Ende der 60er
Jahre gab es die ersten Föhnfrisuren. Als absolut wegweisender Punkt können die 70er Jahre gelten. Damals
entwickelte der Engländer Vidal Sasson eine richtungweisende Haarschneidetechnik: den Systemformhaarschnitt. Dieser
ist noch heute Basis jeglicher handwerklicher und künstlerischer Friseurtätigkeit.
Heute sind Friseure in jeder Kommune eine feste Institution wie Apotheke und Metzger. Kaum
ein Ort beherbergt nicht mindestens einen Friseur. Sollten Sie aus einem solchen dörflichen Kuriosum kommen, dann
schauen Sie doch einmal hier vorbei.
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